„I am the Captain of my Soul!“ – Raus aus der Opferrolle…

Viele kennen das: Nach einer anstrengenden Woche, kommt man Freitagabend nachhause und jammert wie schwierig und erschöpfend die Woche war. „Wenn das nicht wäre, wenn der nicht hätte, wenn ich doch nur könnte, würde,… .“ Immer wieder fallen wir in die Rolle des „Opfers der Umstände“, ausgeliefert an den Partner, den Chef, die Umstände und Strukturen, in denen wir leben. Und manchmal stimmt es ja tatsächlich, dass man keine Lösung, keinen Ausweg oder keine Handlungsoptionen erkennen kann. Als ob sich die Welt gegen uns verschworen hätte und das Schicksal die Karten zu unseren Ungunsten austeilt.

Genauso könnte man die Biografie eines Mannes beschreiben, der 27 Jahre im Gefängnis sass: Nelson Mandela. Er war für eine gerechte Sache inhaftiert! Ausgeliefert an ein System, das auf einer menschen-verachtenden Ideologie basierte, die zur Apartheid, der Unterdrückung der schwarzen Bevölkerung in Südafrika führte. Er wurde auf dem Gefängnishof bis zum Hals eingegraben und von seinen Gefängniswärtern angepinkelt. Andere bestimmten, wann er essen, trinken, arbeiten,… sollte. Fremdbestimmung! Er sollte gebrochen werden.

Warum hat dieser Mann am Tag seiner Entlassung zur Versöhnung aufgerufen und nicht zum Bürgerkrieg? Warum war sein Denken und Fühlen nicht von Rache und Vergeltung bestimmt? Warum war er über all die Jahre nicht bitter geworden – sie hatten ihm sein Leben geraubt. Er kam als alter Mann mit ergrautem Haupt aus der Haft frei und übernahm schliesslich als Präsident die Verantwortung für sein Land.

Die Ungerechtigkeiten und Nöte, an denen wir leiden, verschwimmen dagegen und werden relativiert. Oftmals verweigern wir die Verant-wortung und gehen in die reaktive Opferhaltung.
Unsere Sprache verrät uns:
»So bin ich eben.«
Das heißt:Ich kann mich und mein Verhalten nicht ändern. Ich bin bereits festgelegt. Und zwar von etwas,das ich nicht ändern kann.
»Er oder sie macht mich so wütend!«
Das heißt: Meine Gefühle werden von anderen bestimmt. Sie liegen außerhalb meines Einflusses. Die Umstände oder andere Menschen zwingen mir bestimmte Gefühle auf.
»Ich muss …«
Das heißt: Ich stehe unter Zwang. Ich bin nicht frei, meine eigenen Handlungen zubestimmen.

Wir setzen uns Ziele und arbeiten Strategiepapiere aus. Wir sprechen  von „Shortwin“ oder „Longwin“, sind aber nur zögernd dazu bereit, die Kosten zu berechnen oder schliesslich auch den Preis zu bezahlen. Was darf es denn kosten? Oder suchen wir das Sonderangebot? Pay the Price!

Nelson Mandela hat den Preis bezahlt. In dem Film „Invictus“ wird die Geschichte erzählt, wie es Nelson Mandela geschafft hat, den Rugby-Worldcup in Südafrika dazu zu nutzen, dass ein ganzes Volk zusammen wächst und aus der Opferhaltung kommt. „Invictus“, so lautet der Titel eines Gedichtes von William Ernest Henley: (Henley lag, als er Invictus schrieb, in einem Krankenhaus, in dem ihm die Ärzte seinen zweiten (tuberkulösen) Fuß amputieren wollten und er sich dagegen wehrte.):

Aus finstrer Nacht, die mich umragt, durch Dunkelheit mein‘ Geist ich quäl. Ich dank, welch Gott es geben mag, dass unbezwungn ist meine Seel.

Trotz Pein, die mir das Leben war, man sah kein Zucken, sah kein Toben. Des Schicksals Schläg in großer Schar. Mein Haupt voll Blut, doch stets erhobn.

Jenseits dies Orts voll Zorn und Tränen, ragt auf der Alp der Schattenwelt. Stets finden mich der Welt Hyänen. Die Furcht an meinem Ich zerschellt.

Egal wie schmal das Tor wie groß, wieviel Bestrafung Ich auch zähl. Ich bin der Meister meines Los. Ich bin der Captain meiner Seel.

 

 

Nelson Mandela zitierte aus dem Gedicht und schöpfte daraus während der Jahre seiner Haft Kraft und Trost. Dies wird in dem Film Invictus – Unbezwungen aufgegriffen. US-Präsident Barack Obama zitierte die letzte Strophe des Gedichtes anlässlich seiner Rede zur Gedenkfeier für Nelson Mandela am 10. Dezember 2013. (Wikipedia)

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