Stress abprallen lassen, machen Sie sich stark für den Arbeitsalltag

Sonntag, 15. Januar 2017

Ein Gastbeitrag von Prof. Dr. Norbert Rohleder auf

n-tvManche Menschen bringt nichts aus der Ruhe. Selbst unter enormem Druck agieren sie souverän. Die psychische Widerstandsfähigkeit, über die sie verfügen, wird Resilienz genannt. Und die kann man trainieren.

Selbst unter enormem Druck agieren einige souverän und behalten den Überblick. Vielleicht kennen Sie auch jemanden in Ihrem Arbeitsumfeld, der in Stresszeiten wie ein Fels in der Brandung die Situation im Griff hat, unsichere Kollegen sogar noch unterstützen und mitziehen kann, der selbstbewusst gegenüber Vorgesetzten auftritt, sich von Fehlern nicht aus der Bahn werfen lässt, klare Vorstellungen von seinen Zielen hat und diese auch kommuniziert. Diese Menschen verfügen über Resilienz.

Was ist Resilienz?

Der Begriff Resilienz (von lat. resilire – abprallen, zurückspringen) stammt ursprünglich aus der Materialforschung und bezeichnet hochelastische Werkstoffe, die nach einer Verformung in ihre ursprüngliche Form zurückkehren. In der Arbeitswelt, aber auch allgemein im Alltag, beschreibt Resilienz die Fähigkeit, krisenhafte Lebenslagen gut zu bewältigen und an ihnen zu wachsen.

Was zeichnet resiliente Menschen aus?

Ob Menschen an einer schwierigen Situation wachsen, also Resilienz zeigen, oder lange an den Folgen einer Krise leiden, hängt von ihrer Einstellung zum Leben ab.

Resiliente Menschen wissen um ihre persönlichen Stärken und die Wirksamkeit ihres Handelns. Sie begreifen Fehler als konstruktive Lernmöglichkeit und persönliche oder berufliche Rückschläge als nutzbringende Krisensituationen. Sie sehen realistisch und optimistisch in die Zukunft und sind überzeugt, dass sie aktuelle und kommende Schwierigkeiten bewältigen werden. Durch diese Haltung können sie mit Veränderungsprozessen oder unsicheren Zukunftsaussichten besser umgehen als andere Menschen. Sie sind bestens gewappnet gegen negative psychische Konsequenzen von Überbelastungen, wie zum Beispiel Burn-out oder Depressionen.

Weniger widerstandsfähige Menschen fühlen sich dagegen häufig als Opfer der Umstände und sehen nur begrenzte, manchmal gar keine Handlungsmöglichkeiten. Sie fixieren sich in belastenden Situationen auf ein Problem und erschöpfen sich, ohne fruchtbare Lösungsansätze zu entwickeln. Die Folgen einer solchen Überforderung können von physischer Ermüdung bis zu psychischen Verstimmungen, Stress oder Burn-out reichen.

Wie kommt es, dass manche Menschen über eine stärkere psychische Widerstandsfähigkeit verfügen als andere?

Zahlreiche Untersuchungen haben sich mit dieser Frage beschäftigt. Unbestritten ist, dass Eltern, Geschwister und andere Bezugspersonen durch ihr Beziehungsverhalten bereits dazu beitragen können, dass ein Kind Resilienz entwickelt. Einige Forschungen sehen auch in einem ruhigen Temperament einen Baustein zur Resilienz. Auch über genetische Dispositionen wird diskutiert.

Resource Management und Soziale Interaktion an der Hochschule Mainz.

Einig sind sich die Forscher jedoch auch darin, dass Resilienz abhängig ist vom Belastungskontext und den individuellen Erfahrungen derjenigen, die den krisenhaften Situationen ausgesetzt sind: So kann beispielsweise ein junger, technikaffiner Kollege problem- und sorglos mit der Einführung technologischer Neuerungen im Unternehmen umgehen, während ein älterer, erfahrenerer Kollege zwischenmenschliche Spannungen im Betrieb leichter wegsteckt.

Das Beispiel zeigt – und die Forschung bestätigt es: Kein Mensch ist in jeder Situation und zu jedem Zeitpunkt resilient. Häufig erfährt ein Mensch erst, wie stark er ist, wenn er in eine Krise gerät.

Einen Einfluss auf die Resilienz hat aber auf jeden Fall die Umgebung. Eine Umgebung, die Menschen stärkt, stützt und wertschätzt, hilft, mit Stress und Krisen besser umzugehen. Das gilt auch für die spezifische Situation von Arbeitnehmern: Resilienz ist nicht nur ihr eigenes Verdienst, sondern auch eine Frage der Unternehmenskultur. Eine resiliente Unternehmenskultur schätzt ihre Mitarbeiter, setzt realistische Zielvorgaben, lässt Freiraum für Kreativität und eigene Entscheidungen, legt Wert auf Pausen und regenerative Phasen, bietet Weiterbildungsmöglichkeiten und begreift Fehler als Lernchancen.

Kann man die eigene Resilienz steigern?

Sie können Ihre eigene psychische Widerstandsfähigkeit ein Leben lang trainieren. Dazu sollten Sie einen kritischen Blick auf Ihre etablierten Verhaltens- und Denkmuster werfen, die Ihren Umgang mit den Herausforderungen des Lebens bestimmen. Stellen Sie diese Gepflogenheiten auf den Prüfstand, denn häufig versperren eingefahrene Denkweisen den Weg zu neuartigen Lösungen. Weitere Faktoren sind eine angemessene Selbst- und Fremdwahrnehmung, die Fähigkeit, aufkommende Gefühle zu steuern, Problemlösungs- und soziale Kompetenzen, eine positive Selbstwirksamkeitserwartung und Bewältigungsfähigkeiten.

Welche konkreten Denk- und Verhaltensweisen können Sie also in Ihren Arbeitsalltag integrieren? Die folgenden Tipps können Ihnen helfen, Ihre Resilienz zu fördern, um widerstandsfähiger gegen Stress zu sein:

1) Lösen Sie sich von negativen Erfahrungen

Ein klarer und unvoreingenommener Blick auf die Welt erleichtert den Umgang mit ungewohnten Situationen und ist hilfreich bei der Erarbeitung von Lösungen bei neuen und bekannten Problemstellungen.

2) Konzentrieren Sie sich auf sich selbst

Neigen Sie zu Panik oder „Ausrastern“, wenn Sie Aufgaben gegenüberstehen, die scheinbar nicht zu bewältigen sind? Entspannungsverfahren, Bewegung wie Laufen oder Schwimmen oder auch Achtsamkeitstrainings können Sie dabei unterstützten, mit heiklen Augenblicken ausgeglichener umzugehen.

3) Pflegen Sie eine gute Beziehung zu Ihrem Umfeld

Wenn Sie Ihren Mitmenschen Wertschätzung, Respekt, Interesse und Empathie entgegenbringen, begegnen Sie ihnen auf Augenhöhe. So stärken Sie das gegenseitige Vertrauen und erleichtern das gemeinsame Arbeiten nicht nur in Stresssituationen.

4) Sorgen Sie für häufige Wechsel von Anspannung und Entspannung

Den Arbeitsalltag dauerhaft als Getriebener zu erleben, ist belastend und kann physische Beschwerden verursachen. Wenn Sie sich selbst bewusst wahrnehmen und sich Pausen gönnen, bleiben Sie gesund. Mit regelmäßigen Auszeiten und Regenerationsphasen verbessern Sie Ihre Widerstands- und Leistungsfähigkeit.

5) Nehmen Sie Ihre Zukunft in die eigenen Hände

Mit einem klaren Bild von sich selbst und Ihrer Zukunft vermeiden Sie Gefühle von Hilflosigkeit und Fremdbestimmung. Wenn Sie konkrete Ziele entwickeln, fällt Ihnen die Bewältigung heraus-fordernder, krisenhafter Situationen leichter und Sie können Ihren Erfahrungsschatz erweitern.

6) Erkennen und akzeptieren Sie Ihre Leistungsgrenzen

Wenn Sie Ihre Leistungsfähigkeit realistisch einschätzen können, werden Sie nur vereinzelt an Ihre Grenzen gehen müssen. Seltener erlebte Stresssituationen und weniger Misserfolge werden Ihr Selbstbewusstsein stärken, sodass Sie zukünftigen Herausforderungen gelassener entgegentreten können.

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