Teenagerburnout

Ich habe allein in den letzten 5 Jahren mehrere Hundert Teenager auf Ihrem Weg in die Berufswelt begleitet. In meiner beruflichen Praxis als Coach treffe ich dabei immer häufiger auf Menschen, die depressiv, lethargisch, antriebsschwach und wenig belastbar wirken. Und sie werden immer jünger!

Sie haben im privaten Bereich so manchen Schicksalsschlag erlitten und durchlebt und stehen nun, mit ca. 17 oder 19 Jahren, am Rande eines Burnouts oder sogar schon mittendrin.

Zum Teil sind sie schon in ärztlicher Behandlung, zum Teil stehen sie mehr schlecht als recht schon als Teenager alleine Ihren Mann und Ihre Frau.

Die Ursachen für das „Ausbrennen“ junger Menschen liegen meist in den familiären Strukturen, den sogenannten psychosozialen Faktoren begründet. So erzählt ein 18 jähriger junger Mann, dass er in den letzten 3 Jahren seinen krebskranken Vater gepflegt habe. Ausserdem hat er sich um die völlig überlastete Mutter und seine beiden Brüder gekümmert. Sein Schulabschluss entspricht nicht seinen intellektuellen Fähigkeiten. Er hat sich selbst vergessen und um den Zusammenhalt der Familie gekämpft. Er hat eingekauft, geputzt, die Geschwister zur Schule begleitet und ab und zu mit seinen Kumpels Zerstreuung und Vergnügen gesucht. Dabei war fast alles willkommen, was die eigene Überlastung und den Schmerz kurzfristig vergessen lässt. Als sein Vater schliesslich seinem Leiden erlag, stand er vor dem „Nichts“.

So auch eine junge Frau, deren Eltern geschieden sind. Als Sie ca. 5 Jahre alt war, trennten sich Ihre Eltern. Sie bekam als kleines Mädchen die Konflikte hautnah mit und versuchte zu schlichten zu versöhnen und das ganze System zu erhalten. Dabei dachte sie insgeheim, wenn sie sich nur mehr angestrengt hätte, dann wären die Eltern noch zusammen. Nach der Trennung wuchs sie immer mehr in die Rolle des Partnerersatzes hinein. In der Not drängte sie ihre Mutter in Aufgaben und Rollen, die eigentlich einem Elternteil entsprochen hätten. Sie wuchs mit starkem Verantwortungsgefühl auf, aber auch mit einem Gefühl permanenter Überlastung.  Ihre jüngeren Geschwister sahen in Ihr den „Fels in der Brandung“, sie war da, wenn die Mutter arbeiten ging. Das gab ihr das Gefühl gebraucht zu sein. Die schulischen Leistungen litten allerdings und schliesslich wurde sie aufgrund von Fehlzeiten und schlechten Noten von der Schule geworfen. Was sollte sie noch von der „Erwachsenenwelt“ erwarten?

Zwei Lebensschicksale, die für eine grosse Anzahl junger Menschen stehen. Lücken im Lebenslauf, schlechte Zeugnisse und scheinbar mangelnder Antrieb, einen Ausbildungsplatz zu suchen, zeichnen das Erscheinungsbild dieser Teenager aus. Normalerweise werden sie im Bewerbungsprozess sehr schnell aussortiert. Die Unterlagen malen ein Bild vor die Augen der Personalchefs, das nicht in den Wettbewerb passt. Sind sie faul? Nein sie leiden unter „Teenagerburnout“.

Die Skulptur von Josef Beuys „das Ende des XX.Jahrhunderts“  kann eine Deutung unserer gesellschaftlichen Wirklichkeit geben:

Viele Kinder und Jugendlichen stehen heute in den Trümmern des gesellschaftlichen Wertewandels und versuchen zusammen zu halten, was an familiären und sozialen Strukturen auseinander fällt.

Das stresst, überfordert und lässt ausbrennen.

Lassen wir diese „Leistungsträger“ alleine ausbrennen oder sehen wir sie in unserem soziokulturellen Umfeld? Der demografische Wandel lässt uns eigentlich keine andere Wahl als diesen jungen Menschen zu zuhören, sie ernst zu nehmen und ihnen die Chancen zu geben, die sie brauchen.

Weil sie gebraucht werden!

Junge Menschen wollen ihre Begabungen entfalten, sich verwirklichen und eine eigene sinnvolle Existenz aufbauen!

Eine hohe Anzahl an Krankheitstagen, auffälliges Verhalten oder einfach die Tatsache, dass jemand permanent zu viel Verantwortung übernimmt, sollte zuvorderst die Eltern, dann die Lehrer und schließlich alle Erziehungsinstanzen aufhorchen lassen.

Ein Ansatz, dem „Teenagerburnout“ entgegen zu treten ist im Programm der Initiative JOBLINGE verwirklicht.

Ebenso ist mit der Jobfactory AG in der Region Basel ein konzeptionell verwandtes unternehmerisches Modellprojekt ins Leben gerufen worden, das mit den Kräften des Marktes und individuellen Unterstützungsangeboten diese soziale Herausforderung bewältigen will.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s